Leitlinien für die Kulturarbeit des Kreises Borken
Der Kreis Borken hat als einer der ersten Kreise bundesweit im Jahr 1989 ein Kultur-Förderprogramm vorgelegt. Ausgehend von dem zuvor im Jahr 1982 erstellten Kreisentwicklungsprogramm, das auch einen Schwerpunkt "Kultur" enthielt, sahen Politik und Verwaltung es als sinnvoll und notwendig an, der auch im ländlichen Raum wachsenden Bedeutung der Kultur durch einen eigenen Rahmenplan gerecht zu werden. Nach Fortschreibung in den Entwicklungsprogrammen des Kreises wurde die Verwaltung beauftragt, unter Berücksichtigung der mit den bisherigen Programmen gemachten Erfahrungen und vor dem Hintergrund der gewandelten Bedürfnisse neue Leitlinien für die künftige Kulturarbeit des Kreises zu entwickeln.
Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Kreistagsfraktionen und der Verwaltung diskutierte mit Vertretern kultureller Institutionen Grundsätze, die sich in den nachfolgenden Ausführungen wiederfinden. Entsprechend der Aufgabenstellung des Kreises hat seine eigene Kulturarbeit subsidiären Charakter, allerdings fordert die Ausgleichsfunktion des Kreises auch sein aktives Wirken für die Kultur. Vor diesem Hintergrund versteht sich auch das neue Konzept: Die Ergänzung der städtischen und gemeindlichen Kulturarbeit durch gemeinsame oder eigenständige Wahrnehmung von nicht lokal orientierten Projekten und das helfende und ergänzende Engagement des Kreises bei der Kulturarbeit oder Projekten freier Träger sind Gegenstand der Erörterung.
Die besondere Dynamik der Kultur, die sich erfahrungsgemäß auch in der Realisierung von zuvor oftmals als "utopisch" angesehenen Aktionen und Projekten zeigt -die Landesmusikakademie in Heek-Nienborg oder das Künstlerdorf in Schöppingen sind nie als Ziele in Programmen formuliert worden-, fordert in hohem Maße eine Offenheit des Konzepts, um solche Prozesse nicht zu behindern, sondern positiv einzubinden. Aus diesem Grunde wollen und können die Leitlinien auch kein Katalog sein, der sämtliche Projekte oder Nuancen der Kulturarbeit des Kreises enthält. In diesem Sinne sollte das Anliegen dynamisch interpretiert und weiterentwickelt werden.
Erfahrungen
Die bisherige Kulturarbeit des Kreises hat im Gesamtspektrum des Münsterlandes durchaus eine große Bedeutung, und dies trotz eines vergleichbar bescheidenen Mitteleinsatzes. Sie ist geprägt von der Vielfalt des Angebots, einigen herausragenden, überregional bis landesweit wirkenden Einrichtungen und Projekten und ist auch deutlich beeinflusst von der geografischen Grenzlage zu den Niederlanden. Die Akzeptanz beim Publikum ist gut, allerdings noch ausbaufähig. Vor diesem Hintergrund sollen die neuen Leitlinien die bisherige Arbeit unterstützen, optimieren und neue Akzente setzen.
Die der bisherigen Arbeit zugrunde liegenden Leitsätze gelten auch künftig für die Planung/Umsetzung neuer Ziele:
- kulturelle Vielfalt
- Kontinuität der Angebote
- Qualität der Inhalte
- Abbau von Defiziten
- Positionierung durch klares Profil
- Orientierung am "Mehrwert" (bei neuen Projekten)
- Öffnung für alle Zielgruppen
- Offenheit für dynamische Prozesse
Ausgleichsfunktion wahrnehmen
Die originäre Aufgabe der städtischen/gemeindlichen Kulturarbeit soll durch die Arbeit des Kreises ergänzt werden. Dies gilt für den Ausbau der bestehenden Angebote wie auch für die Entwicklung neuer Konzepte. Die zunehmende Bedeutung der Kultur als infrastruktureller Faktor ist dabei besonders zu berücksichtigenden.
Kontinuität wahren
Kontinuität ist ein wichtiger Faktor der Kulturarbeit sowohl hinsichtlich des Angebots wie auch bei der Förderung/finanziellen Absicherung von Projekten. Vor diesem Hintergrund ist eine Konsolidierung/ausreichende finanzielle Absicherung wichtiger Einrichtungen und Projekte unerlässlich.
Regionaltypische Besonderheiten pflegen und entwickeln
Der Kreis Borken ist integraler Bestandteil des Münsterlandes, verfügt aber trotzdem über seine ureigen-regionalen Besonderheiten, die ihn von den Nachbarn unterscheiden. Diese zu erschließen, kennen zu lernen und zu vermitteln ist ein wichtiges Ziel der Kulturarbeit (z.B. Judocus Vredis, Keramik aus dem Westmünsterland etc.). Das gilt in gleicher Weise für regionaltypische Einrichtungen/Projekte.
Vernetzung/Kooperation
Die praktische Kulturarbeit hat gezeigt, dass Chancen für neue Entwicklungen vor allem in der Kooperation und der Vernetzung erfolgreich arbeitender Strukturen liegen. Bei allen anstehenden Projekten sollen die Möglichkeiten für eine Vernetzung in die Überlegungen einbezogen werden.
Konkrete Handlungsfelder (beispielhaft)
Die Kulturarbeit des Kreises erstreckt sich im wesentlichen auf zwei Bereiche:
Eigene Kulturarbeit
- Kooperationsprojekte mit anderen öffentlichen wie freien Trägern (und Federführung beim Kreis)
Kulturarbeit Dritter
- mit finanzieller Förderung durch den Kreis
- mit organisatorischem Engagement des Kreises ohne finanzielle Förderung (und Federführung bei anderen Trägern)
Eine Entwicklung dieser Bereiche innerhalb der vorstehenden Leitsätze wird dabei als selbstverständlich unterstellt.
Eigene Kulturarbeit des Kreises
Gemäß der Ausgleichs- und Ergänzungsfunktion des Kreises hat er im Kulturbereich einen großen Gestaltungsspielraum. Die positiven Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass neue Konzepte des Kreises ihre größte Wirksamkeit im Zusammenwirken mit den Städten und Gemeinden oder freien Trägern entwickelt haben (s. Musikherbst, Werkwoche Kunst, Artline etc.). Eine sensible Bewertung und Vorgehensweise, die die lokalen Interessen der Kommunen nicht stört - nur ergänzt - , ist dabei unerlässlich.
Konsolidierung/Ausbau vorhandener Strukturen und Einrichtungen
Die Förderpolitik öffentlicher Stellen konzentriert sich im Regelfall auf "innovative Projekte". Dies ist nachvollziehbar und auch akzeptabel. Allerdings erfordern kulturelle Innovationen auch Strukturen, von denen aus sie entwickelt werden können und die sie auch umsetzbar machen. Von daher ist eine diversifizierte kulturelle Infrastruktur auch notwendig, um Ideen zu entwickeln und neue Konzepte umsetzbar zu machen. Daraus folgert, dass die innerhalb des Kulturangebotes im Kreis gut funktionierenden Projekte und Einrichtungen in ihrer Rolle als wichtige Faktoren der Kulturarbeit gesichert und gefördert werden. Ein Ausbau durch ergänzende, innovative Projekte und Aktionen wird im Rahmen der Möglichkeiten angestrebt ( z.B. für/mit Landesmusikakademie Heek-Nienborg, Künstlerdorf Schöppingen, Hamaland-Museum Vreden, Textilmuseum Bocholt, Rockmuseum Gronau, Musikherbst Westmünsterland, Schlosskonzerte Ahaus, Kulturkreis Schloss Raesfeld, Grafikbörse, Werkwoche "Kunst", Jugend musiziert etc.).
Neue Projekte
Wie die Kulturarbeit des Kreises insgesamt, so sollen auch die neuen Projekte als Partizipations-/Kooperationsangebot an die Städte und Gemeinden wie an die freien Träger verstanden werden (auch an die niederländischen Nachbarn).
Dabei sollen neue Ideen mit singulärem Charakter (z.B. Nischenangebote) den Vorrang haben. Dies kann aber bei der Aufarbeitung vorhandener Defizite nicht alleiniges Kriterium sein. Spürbare Defizite müssen aus regionaler Sicht interpretiert und ausgeglichen werden.
Kultur und Medien
Für die Kulturarbeit ist die Mitwirkung der Medien sowohl für die Vermittlung der Inhalte wie für die Publikumsakquisition unerlässlich. Sowohl die traditionellen Printmedien, wie auch Funk und Fernsehen unterliegen einer schnellen Entwicklung, die auch Rückwirkungen auf die Kulturarbeit hat. Die sich schnell wandelnde Medienwelt erfordert neue Konzepte und vor dem Hintergrund der schnellen Entwicklung große Flexibilität.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Kulturarbeit ist ein effizientes Informationssystem, sowohl für das Publikum wie für die Projektträger. Die neuen technischen Möglichkeiten werden vom Publikum vermehrt zur Information über Veranstaltungen/Projekte, zur Ticketbestellung etc. genutzt. Dabei spielen administrative Grenzen eine immer kleinere Rolle. Vor diesem Hintergrund ist der Aufbau eines übergreifenden Kultur-Info-Systems notwendig. Es soll möglichst das ganze Münsterland und die angrenzenden niederländischen Gebiete abdecken.
Die Realisierung kann durch das Zusammenführen schon bestehender Datensysteme (kostengünstig) erleichtert werden.
Kulturregion Europas
Der Kreis engagiert sich für die Bewerbung des (West-)Münsterlandes (einschl. der Nachbarregionen Achterhoek und Twente) um den Status einer "Kulturregion Europas" (als Alternative zu dem Projekt der Europäischen Union "Kulturhauptstadt Europas"). Eine Realisierung des Vorschlages brächte einen großen Innovationsschub für das ganze kulturelle Spektrum und könnte die Realisierung einiger "Wunschprojekte" forcieren (s.u.).
Kulturtourismus
Der Tourismussektor verfügt noch über ein großes Entwicklungspotential für qualitätvollen Kulturtourismus. Hier bietet sich die Chance, neue Konzepte mit den im Kreis bestehenden kulturellen Einrichtungen und Projekten für eine intensivere Nutzung der Ressourcen zu realisieren:
konzeptionelle Vorarbeit als Leistung des Kreises und der beteiligten Institutionen; Umsetzung und Vermarktung durch die Tourismusinstanzen;
z.B.
- Literaturangebote im Künstlerdorf Schöppingen
- musikalisch-pädagogische Angebote mit der
Landesmusikakademie in Heek - museale Schwerpunktangebote im Hamaland-Museum, z.B. in Verbindung mit Sonderthemen (Arbeitspferd) oder -ausstellungen
- kulturhistorische Angebote, z.B. zur Geschichte der Burgen, die im Kreis Borken an sichtbaren Zeugen fast komplett ablesbar ist ("von der ..Fliehburg zum Barockschloss").
Schausammlung zur modernen Kunst
Für die Region wird eine Schausammlung zur modernen Kunst mit dem Ziel einer Dauerausstellung (mit Wechsel-Ausstellungsprogrammen) aufgebaut. Der Schwerpunkt der Sammlung soll bei ansonsten im Münsterland/Westfalen wenig gepflegten Sujets liegen, z.B. Medienkunst, Fotografie und Außenseiterkunst (Naive etc.). Eine solche Sammlung, verbunden mit einer festen, ständigen Ausstellungsmöglichkeit, kann sich mittel- bis langfristig zu einem Forum für zeitgenössische bildende Kunst entwickeln. Um die Schwerpunkte der Schausammlung werden sich "automatisch" abgeleitete Programme entwickeln (z.B. pädagogische Programme zur Medienkunst, zu Kunstepochen, -stilen etc.).
Kunst-Ankaufprogramm
Zum Aufbau einer o.a. Schausammlung ist ein kontinuierliches Ankaufprogramm erforderlich, das sich allein vom Mitteleinsatz schon in erster Linie auf aktuelle (auch heimische) Künstler beschränken sollte - und damit gleichzeitig einen konkreten Beitrag zur Förderung der aktuellen Bildenden Kunst bedeutet.
Landpartie Unter diesem Titel sollen ausgewählte Orte des Westmünsterlandes in ihren vielfältigen Bezügen (architektonisch, landschaftlich, wirtschaftlich-sozial) erfasst und von Künstlern gestalterisch -und visionär verändert- präsentiert werden. Dies geschieht exemplarisch und zielt nicht auf z.B. skulpturale Setzungen, sondern eher auf künstlerische "Verwandlungen" von Situationen und Orten. Ziel ist es somit, letztlich der "realen" Umwelt mit "visionären" Ideen zu begegnen. Kunst wird hier in der romantischen Tradition als Verwandlungskunst begriffen. Sie soll nicht unbedingt "verschönern", wohl aber dem Gedanken des Möglichen zum Durchbruch verhelfen.
Archiv der konkreten Utopien
Im Künstlerdorf Schöppingen soll ein "Archiv der konkreten Utopien" aufgebaut werden. Aufgaben:
- Sammlung und Archivierung von Zukunftsentwürfen aus Themen von Politik, Gesellschaft, Technik, Wissenschaft etc. Die Entwürfe können sowohl aus der Vergangenheit stammen als auch aus der Gegenwart. Sie haben in jedem Fall prognostischen Charakter, der vor der Folie der Realität ausgebreitet werden kann. Die Frage, wie hat "man" z.B. im Jahr 1920 "den" Bahnhof im Jahr 2000 gesehen, ist dabei ebenso im Blickfeld wie die Frage, wie wir uns heute eine "Mondbasis" im Jahr 2030 vorstellen. Gesucht sind Modelle, Prognosen, Konzepte von Zukunft. Außerdem geht es um die gedachten, gezeichneten, gebauten, entwickelten, aber letztlich verworfenen Modelle aus den genannten Bereichen - um die nicht zum Zuge gekommene Wirklichkeit, um die Irr- oder Sonderwege der technischen, gesellschaftlichen, politischen "Evolution". Die Sammlung soll auch entsprechende Modelle aufbewahren, pflegen und erklären.
- Ein Informationszentrum zu dem o.a. Themenkreis soll die Sammlung für das Publikum erschließen und zugänglich machen.
Film
In dieser Sparte hat die Region große Defizite. Zwar gibt es inzwischen einige moderne Kinozentren, aber anspruchsvolle Angebote sind selten, da die notwendige kommerzielle Ausrichtung der Kinos eine Orientierung am Publikums (Massen-) geschmack mit sich bringt. Einzelne, kulturell wertvolle und herausragende Angebote leiden unter den Informationsdefiziten, weil die Werbung für die Filmtheater überwiegend über die regionalen Zeitungen läuft. Es gilt, die Information über die Angebote zu verbessern (siehe auch Punkt "Medien") wie auch die Zahl anspruchsvoller Filmangebote zu erhöhen. Die Möglichkeiten, Filmangebote in andere Projekte zu integrieren, soll verstärkt umgesetzt werden (z.B. bei Musikherbstprogrammen mit geeigneter Themenstellung). Feste Filmreihen und eventuell -festivals können dieses Anliegen langfristig umsetzen.
Technische Schausammlung
Die reichhaltige Museumslandschaft im Kreis ist schwerpunktmäßig historisch ausgerichtet, das gilt für die lokalen Museen wie die bedeutende Sammlung in Anholt und auch für das Textilmuseum in Bocholt.
Es fehlt eine didaktische Schausammlung zur Vermittlung moderner technischer Abläufe, z.B. des Energie- und Wertstoffkreislaufs oder sich wandelnder technischer Produktionsverfahren - von der Landwirtschaft bis zur Industrie. Eine solche Sammlung könnte sinnvollerweise in einem Industriedenkmal untergebracht werden.
Grenzüberschreitende/nachbarschaftliche Kulturarbeit
Durch seine Lage an der dt.-nl. Grenze hat der Kreis Borken unter den westfälischen Kreisen eine einmalige Situation. Gemeinsame Projekte mit den niederländischen Nachbarn haben eine lange Tradition und werden immer selbstverständlicher. Die Frage, ob sich ein Projekt der Kulturarbeit für die Zusammenarbeit über die Grenze hinweg eignet, wird jeweils geprüft. Durch die Bereitschaft der EU, in größerem Umfang Mittel für die Kultur bereitzustellen, ergeben sich günstige Bedingungen für gemeinsame Projekte mit dem Nachbarn. Die vorhandenen guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu den Niederlanden sollen auf allen kulturellen Arbeitsfeldern ausgebaut werden. Dies gilt sowohl für die eigenen Aktionen des Kreises wie für solche anderer Träger. Dazu gehört auch, die Zusammenarbeit durch neue Organisationsformen zu optimieren und langfristig zu sichern.
Aber auch die inzwischen geknüpften Kontakte zum Landkreis Breslau sollen künftig in die Überlegungen einbezogen.
Schließlich bieten sich auch noch Entwicklungschancen für innerdeutsche "grenzüberschreitende" Projekte.
Nicht allein die Zusammenarbeit mit der niedersächsischen Grafschaft Bentheim bedarf der Intensivierung; gemeinsame Projekte mit den rheinischen Nachbarn sind seltener als mit niederländischen Partnern. Hier sollen künftig verstärkt Kontakte aufgebaut werden.
Sponsoring
An der Durchführung kultureller Projekte werden verstärkt Sponsoren beteiligt. Dies hat nicht allein den Vorteil einer günstigeren Finanzierung, es bringt durch das Engagement der Sponsoren und ihr Interesse an dem Projekt auch bessere Möglichkeiten für Werbung, Marketing etc., damit letztlich eine bessere Rezeption beim Publikum. Die bessere Ausschöpfung der Möglichkeiten des Sponsorings erfordert auch eine intensive Pflege der Kontakte zu den Geldgebern. Diese kann durch verstärkte Kontakte und Information, z.B. Gesprächstermine mit diesem Personenkreis, optimiert werden.
Kulturarbeit Dritter
Information/Beratung
Die bisherige Praxis der Beratung, Information und vermittelnden Tätigkeit bei der Kulturarbeit Dritter wird weiter gepflegt und ausgebaut. Insbesondere die Kenntnisse über Förderungsmöglichkeiten, die Vermittlung von Partnern und Ressourcen werden intensiviert.
Förderpraxis
Die Förderpraxis des Kreises hat sich im Grundsatz bewährt. Die Bedingung, dass der Kreis nur fördert, wenn auch die Gemeinde, in der die Veranstaltung durchgeführt wird, ebenfalls fördert, beruhte bislang auf Einvernehmen und ergab bis auf wenige Ausnahmen keine Probleme. Das weitere Kriterium, dass nur "Veranstaltungen mit überörtlichem Charakter" gefördert werden konnten, soll im Grundsatz beibehalten werden. Der vom Kulturausschuss formulierte Fördergrundsatz, dass "kulturelle Initiativen, die im Kreisgebiet neue Akzente setzen und geeignet sind, über den Veranstaltungsort hinaus beispielhaft zu wirken" gefördert werden können, hat nach wie vor Relevanz.
Eine sinnvolle Entwicklung der Kultur des Raumes erfordert Rahmenbedingungen (Förderrichtlinien). Die Aufgabenstellung des Kreises, Ausgleichsfunktionen wahrzunehmen, erklärt schon von selbst, dass nicht jede Veranstaltung durch Kreiszuwendungen gefördert werden kann. Die Förderung von Projekten in der Trägerschaft der Städte und Gemeinden und in freier Trägerschaft kann daher nur erfolgen, wenn sie aus übergreifender Sicht dem Abbau von kulturellen Defiziten dient. Eine Bagatellförderung verbietet sich damit schon von selbst. In der praktischen Handhabung wird eine Lösung ähnlich der bei der Förderung von Projekten der Denkmalpflege angestrebt, dass bedeutet, dass die Verwaltung bei Zuwendungen von bis zu DM 2.000,- entscheidet und dem Fachausschuss einmal im Jahr über die bewilligten und abgelehnten Förderungen berichtet. Über Zuwendungen, die diesen Betrag überschreiten, soll der Ausschuss für Schule, Kultur und Sport entscheiden.
Die konkrete Förderpraxis kann schwerpunktmäßig als mehrjähriges Programm angelegt sein, um z.B. besondere Defizite schneller auszugleichen (Projektzuschüsse) oder auch um benachteiligte Gruppen mit Angeboten vertraut zu machen, z.B. Behinderte, Senioren, Ausländer, etc.
Denkmalpflege
Die Bedeutung der Denkmalpflege für die Kulturarbeit wurde mit dem in 2000 erstmalig verliehenen "Felix-Sümmermann-Preis" deutlich unterstrichen.
Die bisherige Praxis, Restaurierungsmittel für kleinere Maßnahmen bereitzustellen, wird weiter gepflegt und ausgebaut, z.B. mit Mehrjahresprogrammen zu besonderen Schwerpunkten. Bei der Beratung werden die neuen Medien verstärkt mit dem Ziel genutzt, die Bedeutung der Denkmalpflege beim Publikum bewusster zu machen.
Heimatpflege
Die Bedeutung der 45 Heimatvereine mit ihren mehr als 10.000 Mitgliedern wird bei der Kulturarbeit in und für die Region oft unterschätzt. Dabei sind diese ein bedeutender Faktor bei der Vermittlung der Kulturarbeit. Sie sollen verstärkt in Aktionen und Projekte einbezogen und bei ihren ortsübergreifenden Anliegen unterstützt werden.
(Kreis Borken im Mai 2001)

