Grußwort des Landrats
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
meist achtlos mit Füßen getreten, stellt der Boden dennoch – und damit einhergehend die Fläche – eine zentrale Rolle in unserem Leben dar. Er bzw. sie ist die Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und für uns Menschen. Weitere wichtige Funktionen für unser Dasein werden erfüllt, wie z.B. Filterung von Wasser als zukünftiges Trinkwasser, Produktionsstandort für Lebensmittel und Erholungsraum für die Bevölkerung. Dies ist nur eine kleine und längst nicht abschließende Darstellung der wichtigen Aufgaben, die der Boden hat, auf dem wir stehen und gehen.
Mittlerweile ist die Bedeutung der Flächen allgemein anerkannt, uns allen ist die Begrenztheit dieser Ressource bekannt. Gleichzeitig steigen jedoch die Ansprüche und die Nutzung der Fläche stetig an.
In Nordrhein-Westfalen werden täglich rund 15 ha unbesiedelter Landschaft für den Siedlungs- und Verkehrswegebau beansprucht – das entspricht etwa der Fläche von 20 Sportplätzen. Wenn Sie gleich in die Unterlagen schauen, die wir für Sie vorbereitet haben, dann werden Sie bei den Tabellen den tatsächlichen Umfang des Verlustes von unbesiedelten Flächen erkennen. Von 1998 bis 2008, also in den letzten zehn Jahren, haben die landwirtschaftlichen Flächen allein um rund 5.000 ha abgenommen – pro Jahr also um ca. 500 ha. Wenn man das weiter runter rechnet, sind das etwa 1,3 ha jeden Tag.
Das sind schon beeindruckende oder wohl doch eher beängstigende Zahlen, die deutlich machen, dass es höchste Zeit wird, dem Flächenverbrauch unsere Aufmerksamkeit zu schenken.
Dabei kann ein einfacher Begriff oder genauer gesagt dessen Änderung schon ein erster Schritt in die richtige Richtung bedeuten: Die Landschaft außerhalb der Dörfer und Städte wird in der Landes- und Regionalplanung als „Freiraum“ bezeichnet. Damit wird impliziert, dass dieser Raum quasi auf seine sinnvolle Verwendung wartet. Dazu sage ich: Eine solche Schlussfolgerung ist grundsätzlich falsch! Wir benötigen den Schutz der unbebauten Fläche, denn die neue Bebauung ist mit dem unwiederbringlichen Verlust von Natur und Landschaft sowie der Zerstörung wertvoller Acker- und Weideflächen verbunden.
Ich verweise dazu auf die Pressemappe. Wenn Sie die Kartendarstellungen der drei Beispielstädte Ahaus, Bocholt und Borken prüfen, dann werden Sie überrascht sein, wie umfangreich sich die Siedlung zum Nachteil von Natur und Landschaft ausgedehnt hat.
Daher zieht sich der Auftrag zum Erhalt der Flächen – gleichsam wie ein roter Faden – durch die vom Kreistag beschlossenen mittelfristigen Ziele für das Handlungsfeld Natur und Umwelt des Kreises. So ist eines der zentralen Ziele der Kreispolitik die Sicherung der unbesiedelten Bereiche. In Konsequenz daraus hat der Ausschuss für Umweltschutz des Kreistages in seiner Sitzung vom 12.12.2007 beschlossen, im Dialog mit den Beteiligten zu einer Konkretisierung dieses Zieles zu kommen.
Gemeinsam mit der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer NRW und dem Kreisverband des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes wurde folglich eine einvernehmlich abgestimmte Grundsatzerklärung erarbeitet, die nun gleich von Herrn Kreislandwirt Heinrich Emming für die Kreisstelle Borken der Landwirtschaftskammer, von Herrn Johannes Röring als Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Borken und von mir unterzeichnet wird. Diese Erklärung ist überschrieben mit dem Titel: „Region in der Balance – Regionale Allianz für die Fläche im Kreis Borken“
An dieser Stelle möchte ich aber auch deutlich zum Ausdruck bringen, dass wir damit nicht einen Entwicklungsstopp für unsere Region aussprechen wollen. Ganz und gar nicht, denn wir sind stolz auf unseren leistungsstarken Kreis. Es geht vielmehr darum, Planungen, Absichten und Initiativen gründlich, gerade auch unter dem Aspekt des Flächenverbrauchs, zu prüfen, denn auch hier gilt die Aussage, dass Qualität (z.B. durch Innenverdichtung vor Ausdehnung der Siedlung in die Landschaft) vor Quantität geht. Mit diesem Aufruf, mit unserer Erklärung „Region in der Balance – Regionale Allianz für die Fläche im Kreis Borken“ richten wir uns gemeinsam an all diejenigen, die im Kreisgebiet Verantwortung für Planungsfragen tragen!
Vielen Dank!

